Raus aus dem Dauerstress: Wie Bayerns Kurorte und Heilbäder bei der Prävention helfen

Zwei Drittel der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig oder manchmal gestresst. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es laut TK-Stressstudie sogar 83 Prozent. Doch ab wann macht Stress krank? Und was lässt sich aus dem Klinikalltag lernen, damit es gar nicht erst so weit kommt?

DATA: 05.11.2026
CLIENTE: Gesundes Bayern
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Bad Füssing, 5. November 2026. Chronischer Stress belastet Schlaf, Immunsystem, Konzentration und Herz-Kreislauf-System. Wann aus dieser Belastung eine Erkrankung wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Klar ist aber: Gegensteuern gelingt am besten, solange man die Dinge noch selbst in der Hand hat. Zwei Ärztinnen kennen beide Seiten dieser Grenze. Dr. med. Gisa Gerstenberg, Chefärztin der Fachklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen, behandelt Menschen, die Stress bereits krank gemacht hat. Gesundes Bayern-Expertin Dr. med. Ulrike Stefanowski setzt früher an: in der betrieblichen Gesundheitsförderung und in Präventionsprogrammen bayerischer Kurorte. Dass Stress dort auch medizinisch als eigenes Thema gilt, zeigt Bad Birnbach. Es hat als erstes Heilbad Deutschlands eine anerkannte Heilanzeige für Stressbelastung erhalten.

Wo Belastung kippt

Die Heiligenfeld Kliniken behandeln jedes Jahr rund 8.000 Patientinnen und Patienten mit spezifischen Angeboten, unter anderem für Lehrkräfte, Führungskräfte oder Beamte im Justizvollzug. Junge Erwachsene suchen sich nach Gerstenbergs Beobachtung heute früher Hilfe als ältere Generationen, weil psychische Beschwerden kein so großes Tabu mehr sind. Gleichzeitig seien die Belastungen gestiegen: Lärm, eine ständige Flut an Informationen und die Erwartung, auch nach Feierabend über das Diensthandy erreichbar zu sein. „Wo Stress kippt, ist ganz individuell“, sagt Gerstenberg. „Wenn wir gerade in einem entspannten Zustand sind und es uns gut geht, dann sind wir in der Lage, viel mehr Belastung auszuhalten. Stehen wir jedoch ohnehin schon und einer hohen Grundanspannung, sind also bereits vorbelastet, so kann uns bereits eine mäßige weitere Belastung an die kritische Schwelle zu Überlastung bringen. Deshalb sollte man nie urteilen: ‚Das ist doch nur eine Kleinigkeit.‘“

Oft machen sich Menschen den Stress zum Teil selbst, etwa durch Perfektionismus. „Die meisten merken gar nicht, ob jemand 90 oder 100 Prozent geliefert hat“, sagt Gerstenberg. „Perfektionisten wollen aber grundsätzlich 120 Prozent liefern. Das kostet deutlich mehr Aufwand und bedeutet richtig viel Stress.“ Ziel sei nicht, Stress ganz zu vermeiden. Ein gesundes Maß an Stress, der sogenannte Eu-Stress, sei sogar eher gesundheitsförderlich Man müsse ihn nur auf einem Niveau halten, mit dem man umgehen kann, und sich zwischendurch wirklich erholen, damit die Grundanspannung nicht dauerhaft hoch bleibt.

 

 

Kampf oder Flucht am Schreibtisch

Warum das so schwerfällt, erklärt Stefanowski, die sich auf Stressmanagement, Schlaf und Resilienz spezialisiert hat. Ihrer Ansicht nach passt das biologische Programm des Menschen nicht mehr zu seiner Umwelt: „Unser Körper reagiert auf Stress nach wie vor mit Kampf oder Flucht. Nur kämpfen oder laufen wir nicht mehr, wir sitzen weiter am Schreibtisch. Die Stresshormone bleiben im Körper, und der meldet abends: Du darfst jetzt nicht schlafen.“ Bewegung und gezielte Entspannung bauen diese Hormone ab. Mindestens einmal am Tag, spätestens vor dem Schlafengehen, brauche das Gehirn das Signal, dass alles in Ordnung ist.

Alte Muster, neue Wege

Hinter Dauerstress stecken häufig Überzeugungen, die kaum jemand hinterfragt. Gerstenberg arbeitet in der Klinik gezielt daran: „Im Stress fallen wir in alte Strategien zurück, oft in solche, die wir schon als Kind gelernt haben. Damals haben sie geholfen. Als Erwachsene haben wir aber viel mehr verschiedene und häufig auch adäquatere Möglichkeiten.“ Stefanowski kennt die typischen Denkfallen aus der Prävention. Eine lautet: Ich muss alles alleine schaffen. „Dabei freuen sich die meisten Menschen, wenn sie helfen können. Wenn wir sie nicht fragen, wissen sie gar nicht, dass sie gebraucht werden.“ Eine andere verrät sich schon in der Sprache. Wer ständig aufzählt, was er alles muss, erlebt sich als Getriebener. Wer stattdessen sagt, was er will, gewinnt Spielraum zurück. Und gerade in der Lebensmitte, wenn Beruf, Kinder, Partnerschaft und manchmal die Pflege der Eltern zusammenkommen, rät Stefanowski zu einem bewussten Abstrich: In dieser Phase dürfe es auch einmal weniger als 100 Prozent sein.

Gesund heißt mehr als arbeitsfähig

Wie sehr Stress mit dem Umfeld zusammenhängt, zeige sich in der Klinik besonders deutlich, wenn Patientinnen und Patienten nach Hause zurückkehren. „Arbeitsfähig und gesund sind zwei unterschiedliche Dinge“, sagt Gerstenberg. Wer in der Therapie gelernt hat, sich abzugrenzen, verhält sich daheim anders als vorher. Gleichzeitig hat die Familie oft wochenlang zusätzliche Aufgaben übernommen. Die Beziehung muss dann neu ausgehandelt werden. Die Heiligenfeld Kliniken laden deshalb zu Angehörigentagen ein. Für die Prävention bedeutet das: Selbstfürsorge allein reicht nicht. Auch das Umfeld muss Entlastung möglich machen.

Was ein Aufenthalt im Kurort bewirken kann

Vorsätze wie „mehr Yoga“ oder „früher ins Bett“ werden für Gestresste nach Stefanowskis Erfahrung schnell zum nächsten Punkt auf der To-do-Liste. Wirksamer sei ein Aufenthalt außerhalb des gewohnten Umfelds: „Man muss einmal raus aus dem Alltag und spüren, wie es sich anfühlt, ausgeschlafen, gut ernährt und körperlich fit zu sein. Mit diesem Gefühl lässt sich zu Hause viel leichter etwas ändern.“ Dazu komme die Gruppe. Wer im Kurort hört, dass es anderen genauso geht, fühlt sich spürbar entlastet. Darauf baut das Programm AGES („Aktiv gegen Erschöpfung und Stress“) in Bad Birnbach auf: Gäste sollen nicht nur Wissen mitnehmen, sondern Strategien für den Alltag, die sie vor Ort bereits ausprobiert haben.

In Bad Kissingen, wo die Heiligenfeld Kliniken 1990 gegründet wurden, gehören sieben Heilquellen, weitläufige Parks und die Konzerte der Staatsbad Philharmonie zum Angebot. „Erholung bedeutet für jeden Menschen etwas anderes“, sagt Kurdirektor Sebastian Dresbach. „Deshalb lässt sich die persönliche Auszeit bei uns individuell gestalten – mit Bewegung in der Natur, Momenten der Ruhe oder unseren Gesundheitsangeboten.“

Kleine Schritte statt großer Vorsätze

Wer einem erschöpften Menschen helfen will, sollte übrigens mit Ratschlägen sparsam sein. „Ein Ratschlag fühlt sich meistens an wie ein Schlag“, sagt Stefanowski. Besser sei die Frage, was sich die Person anders wünscht. Daraus ergeben sich meist kleine, machbare Schritte. Die Gesundes Bayern-Expertin rechnet vor: Wer die Abendnachrichten nur zweimal statt siebenmal pro Woche schaut, gewinnt mehr als eine Stunde für einen Spaziergang, ein Telefonat oder frühes Schlafengehen. Zehn Minuten zu Fuß auf dem Arbeitsweg ergeben über die Woche fast eine Stunde Bewegung. Auch beim Schlaf nimmt sie Druck heraus: Wird die Nacht wegen eines dringenden Auftrags oder eines frühen Termins einmal kürzer, sei das kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Wichtig sei nur, an den meisten Tagen der Woche ausreichend zu schlafen. Ihr Rat zum Schluss ist bewusst einfach: jeden Tag etwas tun, das einen zum Lächeln bringt. „Das ist kostenfrei, aber nicht umsonst.“

 

Über Gesundes Bayern: Unter der Marke Gesundes Bayern präsentieren sich über 70 Heilbäder, Kurorte und Kurbetriebe mit attraktiven sowie qualitativ hochwertigen und ganzheitlichen Gesundheitsprogrammen. Dabei steht Gesundes Bayern für höchste Gesundheitskompetenz in bayerischer Urlaubsqualität und vereint medizinische Kompetenz, beste Serviceleistungen und fachkundige Beratung mit ergänzenden, emotionalen Mehrwerten wie beispielsweise der bayerischen Lebensart oder der besonderen Natur. Schon seit zehn Jahren ist die Marke Basis für die Kommunikation der Bayerischen Heilbäder und Kurorte. Seit 2024 trägt die Gesundes Bayern Tourismus Marketing GmbH, ein Tochterunternehmen des Bayerischen Heilbäder-Verbands, die Verantwortung für die Marke Gesundes Bayern.

 

Fotos:

Ein Aufenthalt außerhalb des gewohnten Umfelds schafft Abstand vom Alltag und gibt Raum, neue Routinen zu entwickeln.
© Gesundes Bayern Tourismus Marketing GmbH / Fotograf: Daniel Zangerl

Dr. med. Gisa Gerstenberg, Chefärztin der Fachklinik Heiligenfeld, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
© Heiligenfeld / René Greiner

Dr. med. Ulrike Stefanowski, Gesundes Bayern-Expertin Ärztin mit Schwerpunkt Stressmanagement, Schlaf und Resilienz
© Insano

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© Gesundes Bayern Tourismus Marketing GmbH / Fotograf: Daniel Zangerl

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